Warum ich? – Weil du unglücklich bist!

„Warum ich?“ Das ist wohl genau die Frage, die sich so fast jeder stellt, der von Brustkrebs betroffen ist.

Manche haben die familiäre Vorbelastung, andere einen nicht gerade optimalen Lebensstil, rauchen, trinken und konsumieren andere fragwürdige Mittel. Und dann gibt es da noch die wie mich und wohl die meisten anderen Frauen. Wir wissen es nicht.

– Oder etwa doch? Unterbewusst vielleicht? 

Sollte die Psyche wirklich etwas mit der Entstehung bzw. Ermöglichung der Ausbreitung zu tun haben, habe ich da einige Denkansätze für euch. Es heißt ja auch, dass die Psyche und vor allem das glücklich sein direkt auf das Immunsystem schlagen soll.

Gerade bei meinen Aufenthalten in der Klinik lerne ich immer wieder andere Mitpatientinnen kennen und erfahre einiges über ihr Leben und den Krankheitsweg. Darüber zu reden hilft schließlich auch, damit man sich mit der Situation, in der man sich nunmal gerade befindet, besser abfinden kann. Dieses Redebedürfnis erlebe ich immer wieder. Genauso wie die Tatsache, dass die Scheu sinkt. Keine Ahnung, wieviele Frauen in den letzten Wochen ohne Vorwarnung blank gezogen haben. Und da ich Schisser sowas ja oft gar nicht sehen kann, wurde ich nicht nur einmal kreidebleich.

Aber kommen wir zurück auf die Psyche. Wir alle sollten uns mal die Frage stellen, ob wir wirklich glücklich waren bzw. sind, als der ganze Mist losging.

Manch einer hat eine Arbeit, die ihm zu schaffen macht. Es gibt nichts schlimmeres, als morgens aufzuwachen und direkt mies gelaunt zu sein, weil man jetzt wieder in die Firma muss. Auf der Arbeit selbst hat man lauter Idioten um sich herum und der Tätigkeit selbst geht man nur noch völlig abgestumpft nach. Sowas entzieht einem so verdammt viel Kraft. Natürlich ist es gut, eine Arbeit zu haben und sich selbst versorgen zu können – kein Zweifel. Aber vielleicht gibt es ja doch auch noch Alternativen, für die man einfach mal den Hintern hochkriegen muss. Wenn einer dein Glück in den Händen hält, dann du. Tu etwas dafür, ändere was, wenn du unzufrieden bist.

Der nächste große Energiefresser ist eine unglückliche Beziehung. Ich kenne es nur zu gut, wenn man um seine Partnerschaft kämpft und sie nicht so ohne weiteres aufgeben will. Doch ist dieser Kampf vielleicht einseitig? Ist alles schon so eingefahren und verzwickt, dass man selbst oder eben der Partner nur noch rein aus Gewohnheit bleibt und es einen innerlich bereits auffrisst? So viele unausgesprochene Dinge, bei denen man weiß, wenn man sie anspricht, dann wird der Partner gehen. Das erzeugt so viel Druck und staut sich auf. Gerade diese Herzensdinge gehen uns Rudeltieren tierisch nah. Wenn ihr eigentlich wisst, dass euch euer Partner nicht mehr gut tut und nur noch zum Energiefresser wird, redet miteinander. Vielleicht geht es ihm genauso. Und selbst das könnte schon die Gemeinsamkeit sein, mit der ihr alles neu aufleben lassen oder sachlich beenden könnt, um endlich wieder zu euch selbst zu finden und glücklich zu sein. Erkenne und handle. Nur du bist für dein eigenes Glück zuständig. Nicht dein Partner.

Andere wiederum haben sich vielleicht mit einem guten Freund gestritten oder gar einem Familienmitglied. Jetzt herrscht schon wer weiß wie lange Funkstille. Und es zermartert einen innerlich. Hört auf dickköpfig zu sein und sucht das Gespräch, wenn ihr euch beide wieder beruhigt habt. Nach ein paar Tagen oder Wochen hat man vielleicht eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Schleppt diesen meist unnötigen Ballast nicht ewig mit euch herum. Wenn ihr ihn oder sie so lieb habt, dass es euch schlaflose Nächte bereitet und ihr todunglücklich seid, rafft euch hoch und klärt die Angelegenheit in aller Ruhe. Wenn beide Seiten Zugeständnisse machen, lassen sich oft Lösungen finden, mit denen alle zurechtkommen. Sei wieder glücklich, handle.

Es gibt auch Leute, die einfach allgemein unglücklich sind. Mit ihrem Leben, dem was sie erreicht haben. Vielleicht fehlen dir auch einfach nur deine Ziele? Überlege dir, was du gern machen möchtest. Vielleicht hilft eine Anmeldung beim Sport, wenn du mit deinem Äußeren unzufrieden bist. Klar, ist es am Anfang oft schwer sich hinzuschleppen, vor allem wenn der innere Schweinehund schon seit Ewigkeiten so gemütlich in seiner Ecke liegt. Aber wenn du die ersten Male hinter dir hast und so richtig schön energiegeladen bist oder eben schon die ersten Erfolge siehst, wirst du dich umso besser fühlen.
Vielleicht warst du aber auch schon lange nicht mehr im Urlaub oder wolltest dir schon immer mal eine bestimmte Sache zulegen. Auch das wäre ein schönes Ziel. Gönn dir selbst etwas. Das tut gelegentlich wirklich gut und du bist es wert. Von mir aus, mache etwas völlig verrücktes. Etwas, bei dem du jedes Mal lächeln musst wenn du daran zurückdenkst, auch wenn dich vorher die anderen belächelt haben oder immer noch belächeln. Das pusht das Selbstbewusstsein genau an der richtigen Stelle.
Hast du vielleicht einen insgeheimen Lebenstraum? Etwas, was du schon immer mal angehen wolltest. Aus diversen Gründen hast du es immer wieder aufgeschoben, hattest immer eine Ausrede, es auf die lange Bank zu schieben. Lass das! Nimm deinen Mut zusammen und tu es! Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, nicht morgen oder übermorgen! Wenn du es nicht machst, wird es auch kein anderer für dich tun.

Auch die Onlinewelt kann so schnell zur Sucht werden. Nur die wenigsten Menschen erkennen, dass sie an solch einer Sucht leiden. Ob sie nun den ganzen Tag in Social Media rumhängen oder in irgendwelchen Chats oder Spielen. Meistens hört man Dinge wie „Ich könnte es ja jederzeit lassen.“ Aber dann bekommen sie die Gedanken doch nicht wirklich los, wenn sie mal etwas anderes tun, können es kaum erwarten wieder Daheim zu sein, nur um nochmal den PC anzuschmeißen und ihrer Sucht zu frönen. Es ist ein Unterschied, ob die Chatterei, Spielerei etc. Lückenfüller ist oder ob das Leben den auferzwungenen Lückenfüller darstellt. Stellt euch einfach mal selbst die Frage, ob eure Onlinezeiten wirklich noch gesund sind oder ihr euch vielleicht Hilfe suchen solltet. Das reale Leben kann so schön sein. Und hat auch eine viel bessere Grafik.

Du bist für dein eigenes Glück, dein eigenes Leben verantwortlich. Du ganz alleine. Bist du also unglücklich, mach etwas dagegen! Du hast es verdient, glücklich zu sein!

 

2 Gedanken zu „Warum ich? – Weil du unglücklich bist!

  1. Rainer sagt:

    Hallo Julia
    Meine Neugier war doch größer als die Furcht davor, deine Zeilen zu lesen. Ich bin positiv überrascht ,wie offen du über deine inneren Gefühle schreibst. Persönlich möchte ich gar nicht mehr daran denken, wie ich den Krebs bei meiner Frau miterlebt habe. Nun seitdem hat sich meine innere Lebenseinstellung geändert. Aktuell erlebe ich im Bekanntenkreis, welche Prozedur Sie durchläuft. Ich hoffe stets, daß ich niemals an Krebs erkranken werde. Nun bin ich so in Gedanken vertieft, daß ich hier erstmal eine Pause einlegen muß

    lg und bis Bald
    Rainer

    • Julia sagt:

      Es freut mich wirklich, dass du den Mut gefunden hast, lieber Rainer 🙂
      Ich kann verstehen wie sehr dich das Thema mitnimmt. Umso mehr freue ich mich, wenn du hier auch mal ein positiveres Bild mitnehmen kannst.

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