Augen zu und durch

„Dann erkläre ich ihnen nun mal, wie die Biopsie genau gemacht wird.“ meinte die sympathische Fachärztin, die in etwa meinem Alter entsprechen dürfte. Als sie gerade Luft holte um mir all die Dinge zu erzählen, die ich so überhaupt nicht wissen wollte, unterbrach ich sie. „Nein, blos nicht! Ich will das alles gar nicht wissen.“ Ein wenig verdattert sah sie mich an. „Aber sie müssen uns das unterschreiben…“ Ich wedelte mit den Händen, winkte dann den Zettel zu mir. „Alles klar! Her mit dem Wisch! Ich weiß ja dass es gemacht werden muss, ich will aber auf gar keinen Fall wissen wie. Und die gruseligen Werkzeuge dafür will ich bitte auch nicht sehen.“ Ich setzte meine Unterschrift auf das Papier, während die einfühlsame Ärztin, die ich sofort ins Herz geschlossen habe, ihr Lächeln wiedergefunden hat. 

Ich nahm auf der Liege Platz und durfte den unwillkommenen Zellklumpen in meiner Brust nochmal via Ultraschall beäugen. Es wurde ganz genau geschaut, wo der Tumor sitzt, damit sie ordentlich die Nadel hineinjagen und ihre Proben entnehmen konnten. Währenddessen stieß dann auch noch der Onkologische Oberarzt dazu. Als er meinte, dass man mich sicher schon aufgeklärt habe, wie das nun alles läuft und scheinbar gerade das weiter ausführen wollte, teilte ihm die ebenso angenehme Helferin, die etwas mütterliches an sich hat mit, dass ich keine genaue Aufklärung wünsche. Der Oberarzt, der ganz offensichtlich Bestandteil eines Teams, in dem eine hervorragende Stimmung herrscht ist, schaltete sofort. „Also gut. Dann zeige ich ihnen noch das Geräusch, damit sie sich nicht erschrecken. Und sonst machen sie die Augen zu und wir auf.“ Trotz der Situation in der ich mich befand, umspielte ein Schmunzeln meine Lippen. „Super! Das nehm ich!“

Vier mal stanzte er. Und er hat mich auch fast jedes Mal vorgewarnt. Durch die lokale Anästhesie fühlte es sich an, als würde man mir einen Stempel fest auf die Haut drücken. Wenn man nicht wirklich weiß, was da gerade genau passiert, ist es auch gar nicht mehr so schlimm. Und da danach auch direkt ein Verbandspflaster draufgeklebt wird, ist wohl erstmal die größte Herausforderung, wieder in den BH zu kommen.

„In zwei Tagen können wir ihnen dann schon mal sagen, um was für einen Tumor es sich handelt.“ Die genaue Zellzusammensetzung sollte in etwa einer Woche bekannt sein, hieß es. Also mal wieder warten.

Am Abend setzten dann auch langsam aber sicher die Schmerzen ein. Natürlich hatte ich in meiner ganzen Panik ganz vergessen nachzufragen, ob ich denn Schmerzmittel nehmen darf. Daher habe ich dann einfach die Zähne zusammengebissen. Heute weiß ich, dass das gar kein Problem gewesen wäre. Wunderbar.

Am nächsten Abend durfte ich dann den Verband abnehmen. Also ging ich ins Bad, setzte mich aufs Klo, atmete tief durch und pellte das Pflasterband von meiner Haut. Schon als ich das getrocknete Blut an der Kompresse sah, wurde ich leichenblass. Auch wenn die Einstichstelle wirklich klein war, gab sie mir den Rest. Dieser kleine, verkrustete Punkt, direkt neben meiner Brustwarze brachte meine Welt dazu, sich zu drehen. Ich schwankte also, als wäre ich auf einem Fischkutter auf hoher, rauer See, zurück zum Schreibtisch. Ich versuchte sogar tatsächlich noch eine Runde zu shootern aber es ging einfach so gar nichts mehr. Also fischkutterte ich mich zum Bett.

Ich war so schnell weg, dass ich nicht sagen kann, ob ich Weichei eingeschlafen oder doch noch ohnmächtig geworden bin.

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